Bundesbank-Präsident: Digitaler Euro wäre überstürzte Reaktion auf Libra

E-Euro
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Bundesbank-Chef Jens Weidmann warnt davor, vorschnell mit einem digitalen Euro auf die Libra-Pläne von Facebook zu reagieren.

Der Präsident der Deutschen Bundesbank Jens Weidmann fordert die Banken dazu auf, preiswertere und schnellere Methoden für Überweisungen zu entwickeln, um Facebooks Stablecoin, Libra, entgegenzutreten. Er ist der Ansicht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) es nicht nötig hat, eine eigene digitale Währung wie den E-Euro zu entwickeln. Stattdessen will er Libra mit Regulierung ausbremsen.

In einem Interview mit dem Handelsblatt sagte der Chef der Deutschen Bundesbank:

„Ich halte nichts davon, immer gleich nach dem Staat zu rufen. In einer Marktwirtschaft ist es zunächst an den Unternehmen, für Kundenwünsche ein entsprechendes Angebot zu entwickeln. Wettbewerb macht den Marktteilnehmern Beine.“

Banken müssten sich modernisieren, indem sie ihre Schnelligkeit, Kosten und Sicherheit verbessern, so Weidmann. Auch eine einfache Handhabung, wie etwa eine Identifikation per Fingerabdruck auf dem Smartphone, sei wichtig.

Darüber hinaus erklärte der deutsche Bundesbank-Präsident, dass es erstmal essentiell sei, die Vor- und Nachteile der Entwicklung richtig abzuwägen. „Dann kann entschieden werden, ob es gebraucht wird und sich die Risiken beherrschen lassen.“ Denn aus seiner Sicht kann digitales Zentralbankgeld die Grundlagen des Finanzsystems verändern und es unsicherer machen.

Lagarde möchte den E-Euro

Diese zurückhaltende Einstellung gegenüber digitalem Zentralgeld steht stark im Gegensatz zu der Meinung von Präsidentin der EZB, Christine Lagarde. Im Dezember vergangenen Jahres sagte sie, dass die Notenbanken der Zeit voraus sein sollten, anstatt hinterherzulaufen.

China und Schweden hingegen stehen kurz vor der Einführung ihrer nationalen digitalen Währungen. „China mag schneller sein, es hat aber auch ein anderes politisches System. Dort hat der Staat eine Machtfülle, die vielen von uns nicht gefallen würde. Ich glaube, dass eine soziale Marktwirtschaft in einer freiheitlichen Gesellschaft am Ende die besseren Lösungen findet“, so Weidmann im gleichen Interview.